Eine neue Woche, eine neue Ausgabe von WASDa los?! in euren Postfächern. Und heute ist es soweit: Nachdem wir uns letzte Woche dem wirklich großartigen Thema KI gewidmet haben, ist heute der nächste Kracher dran: GTA!
Okay. Beruhigen wir uns alle. Das Spiel ist noch nicht draußen, eigentlich wollte ich die Zeit bis dahin ja noch genießen, ohne mich damit beschäftigen zu müssen, weil mir von allen Seiten nur “BOAH GEIL GTA” in die Fresse gebrüllt wird. Aber der neueste Leak bringt vor allem ein interessantes moralisches Dilemma: Heiligt der Zweck die Mittel? Damit befasse ich mich ebenso, wie mit einem netten kleinen Match-3 Game, das mich überraschend begeistert hat - und natürlich wieder dem Newsticker. Viel Spaß beim Lesen!

Thema der Woche: Von heroischen Krypto-Knights und der marodierenden Games-Branche
Es gibt wenige Dinge, die für mich noch unbegreiflicher sind, als der absurde Hype rund um GTA VI. Klar, die GTA Reihe hat ein paar unglaublich gute Spiele hervorgebracht und gerade Open-Worlds geschaffen, die man von niemand anderem als Rockstar Games bekommt. Aber wenn man sieht, welche Aufrufzahlen Trailer zum kommenden Mega-Titel haben, wenn man sieht wie alle anderen Entwickler panisch aus dem November fliehen und wenn man fasziniert zusieht, welche Wellen die zahlreichen Leaks schlagen, dann wirft das schon Fragen auf, wie wir eigentlich hierhin gekommen sind.
Fragen, die ich nicht beantworten möchte, um ehrlich zu sein. Das Phänomen Grand Theft Auto können und wollen andere sicher deutlich ausführlicher behandeln als ich. Die großen Mainstream Medien, die sich vor allem Sorgen um Reichweite und Klicks machen, die SEO Titel optimieren und in Meetings über Content-Strategien diskutieren, werden GTA aufgrund der Strahlkraft mit einer Akribie begleiten, wie wir es noch nie erlebt haben. Sollen sie, ich wünsche dabei viel Spaß.
Eigentlich beschäftige ich mich ja viel lieber mit neuen Indie-Perlen, mit tollen Spielen, von denen es heute viel mehr gibt, als früher, auch wenn es sich manchmal anders anfühlt. Mit den kleinen Titeln, die ein einzelner, oft exzentrischer Kreativkopf in der Garage über viele Jahre zusammengebaut hat. Publisher, die mehr damit beschäftigt sind, ihre Mitarbeiter zum Crunch zu zwingegn und Gewerkschaften zu verhindern, die “Corporate” rückwärts kotzen können, deren Produkte gehen mir mittlerweile wirklich nur noch am Arsch vorbei, im Vollsprint.
Was mich diese Woche fasziniert hat auch gar nichts mit dem Spiel an sich zu tun. Während der Rest der Welt im November krank macht oder Urlaub nimmt, um in Vice City Grande Autos zu theften, werde ich stattdessen mit verschränkten Armen und mürrischem Blick in meinem dunklen Zimmer sitzen und “Ich will echte Kunst!” brüllen. Aber die ganze Geschichte um den neuesten Leak ist eine spannende, vor allem aus einem Grund: Die Selbst-Inszenierung der Leaker als heroische Retter der Spielekultur.
Cyberleek, so nennt sich die Gruppe, hat gemeinsam mit Videos und Bildmaterial auch ein Manifest veröffentlicht, in dem sie Anti-Consumer Praktiken kritisieren und mit der weiteren Veröffentlichung von Material drohen, wenn Publisher Take Two und Entwickler Rockstar Games nicht die digitale Vorbestellung stoppen und sich entschuldigen. Grundsätzlich muss ich da beim ersten Lesen gestehen: Jo, die haben schon ‘nen Punkt.
Viele der Machenschaften, die von Cyberleek kritisiert werden, stoßen auch mir sauer auf. Digitale Vorbestellungen und Deluxe Editionen, die für einen Aufpreis wenige Tage früheren Zugriff und ein paar kosmetische Items geben, kotzen mich an. Die Abschaffung von physischen Discs, für die GTA VI erster Vorreiter ist, stellt einen Angriff auf unseren Besitzanspruch auf Spiele dar und gefährdet unsere Rechte als Spieler massiv. Durchmonetarisierung und Live-Service Games nehmen sich Glücksspielanfällige Jugendliche zum Ziel und nutzen psychologische Tricks, um Spieler abhängig zu machen. Das ist alles ganz schön große Scheiße.
Es stellt sich für uns als Spieler hier die Frage, inwiefern der Zweck den wirklich die Mittel heiligt. Mit dem Leak werden nicht nur Rockstar, Take Two und die Shareholder getroffen, sondern auch Mitarbeiter, die über Jahre hinweg Blut, Schweiß und Tränen in die Entwicklung gesteckt haben. Der Schaden, der entstehen kann, ist enorm und die Jobs verlieren am Ende nicht CEOs und Manager, sondern Artists und Programmierer. Klar, "Schau dich mal in der Branche um, die verlieren die Jobs sowieso”, könnte man brüllen. Hätte man recht damit. Nach der Veröffentlichung von GTA VI kann man schon fest mit der nächsten Entlassungswelle bei Rockstar rechnen, unabhängig davon, ob man vorher ein monatealtes Video vom Basketball-spielenden Hauptprotagonisten im Internet anschauen konnte.
Was mich mehr stört ist die Art und Weise, wie Cyberleek ihren Leak selbst monetarisieren will. Auf der Website sind Anleitungen zum Kauf und Handel mit fragwürdigen Memecoins zu finden, für zukünftige Projekte fordern sie Unterstützer zum finanziellen Support auf - natürlich mit Krypto. Auch die Initiative Stop Killing Games, mit der sich die Leaker solidarisieren und deren Fall mit Ubisoft und derem offline-gegangenen Titel The Crew sie explizit in ihrem Manifest erwähnen, distanziert sich und fordert dazu auf, den Leakern kein Geld zu geben. Man solle die Energie lieber in etwas Konstruktives stecken.
So sehr mich diese Robin-Hood-Story auch fasziniert, so sehr ich die Begründung von Cyberleek nicht nur verstehe, sondern ihren Frust über die Situation sogar teile - es ist immer die Frage, ob sich durch illegale und disruptive Aktionen wie diese wirklich etwas bewegen lässt. Take Two wird ja nicht plötzlich digitale Vorbestellungen beenden, Playstation nicht sagen “Na gut, dann drucken wir halt doch weiter Discs.” Am Ende bewegen wir Konsumenten nur etwas mit unserer Entscheidung, wem wir unser Geld geben wollen. Und ich kann nur eins empfehlen: Gebt es lieber dem Kreativkopf, der sein Indie-Spiel auf itch.io veröffentlicht, als dem Riesenkonzern, der sich mehr für seine Shareholder interessiert, als für die Spieler, die ihre Produkte am auch wirklich spielen.
Zockung der Woche

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal ein Match-3 Game empfehlen werde. Aber was Mythmatch aus dem simplen Spielkonzept rausholt ist echt großartig.
Candy Crush habe ich nie gespielt und auch sonst lässt mich Match-3 zugegeben ziemlich kalt. Drei Dinge nebeneinander packen und Punkte sammeln? Klingt langweilig. Umso erstaunlicher ist es, wie mich Mythmatch begeistert. Das Konzept ist dabei simpel wie genial: Wir bewegen uns auf einer freien Welt, können Gegenstände greifen und werfen. Wenn drei gleiche Dinge nebeineinander liegen, verwandeln sie sich in einen besseren Gegenstand höherer Stufe. So laufen wir herum, craften immer bessere Gegenstände und erfüllen Aufgaben für die Bewohner der Insel, auf der wir uns bewegen.
Eine weitere interessante Ebene bringt die narrative Rahmung: Wir spielen Artemis, die zu einer Gottheit aufsteigen will. Dafür muss sie Glaube bei den Bewohnern sammel, indem sie Aufgaben für sie erledigt. Immer am Ende eines Tages reist sie dann zum Olymp, wo eine Challenge auf sie wartet: In speziellen Räumen gilt es schnell und geschickt, wieder im Match-3, Höchstpunktzahlen zu erzielen. Die Anforderungen und das Gameplay sind dabei kreativ umgesetzt und stellt einen vor verschiedene Herausforderungen und Rätsel.

Alles in allem ein nettes, kleines Game, das mit Gameplay zu überzeugen weiß und dabei noch eine coole Geschichte erzählt. Love it!
Newsticker
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Der US Senat beginnt seine Untersuchung gegen Roblox. Vorwurf ist es, dass die Sicherheit von Kindern nicht gewährleistet ist. Richtig und Wichtig.
Update zu letzter Woche: Der "(kackendumme) CEO von Saber entschuldigt sich bei der Autorin, die er beleidigt hat und Saber fügt einen AI Disclaimer auf Steam zum Spiel hinzu. Das wird das Image schon wieder retten, oder?
Compulsion Games bestätigt nach der Trennung von XBOX seine Unabhängigkeit und die Rechte zu Veröffentlichtungsrechten und IP. Endlich frei!
News 5 Deutscher Games-Markt schrumpft leicht im ersten Halbjahr 2026
Der deutsche Games-Markt schrumpft im ersten Halbjahr 2026. Mal schauen, wo wir noch hinkommen, wenn die Preise weiterhin ansteigen.
Mir bleibt nicht mehr viel zu sagen, außer: Danke fürs Lesen! Ich hoffe, euch gefällt mein kleiner Newsletter. Wenn ja, dann würde ich mich superdolle freuen, wenn ihr WASDa los?! weiterempfehlt. Das ist, was am meisten hilft. Danke euch und bis zum nächsten Mal!
Euer Markus



