Lass ma' reden, Sony! | WASDa los?! #2
Reicht ein Boykott um unsere Discs zu retten?
Man, war die letzte Woche lang. Hat sich beinahe angefühlt wie zwei Monate! Könnte natürlich auch dran liegen, dass Ausgabe 2 von WASDa los?! so lange auf sich warten ließ. Und wer ist schuld dran?
Naja, zugegebenermaßen schon ich. Schande über mein Haupt, ich gelobe Besserung! Es lag ganz bestimmt nicht daran, dass es nicht genug zu berichten, beschreiben und benörgeln gegeben hätte. Aber wir wollen ja nicht immer nur auf XBOX herumtreten! Dann suchen wir uns doch jetzt die nächste Kuh, die durchs Dorf getrieben wird! Wer möchte als nächstes? Na? Ah, lieb dass du so bereitwillig nach vorne trittst, Sony. Dann fangen wir mal an.
Thema der Woche: Eine Grassroot-Rebellion gegen Playstations Disc-Abkehr
Es ist schon wieder Schnee von gestern, denn Sonys Entscheidung, ab Januar 2028 keine Discs mehr zu produzieren kam ja bereits Anfang Juli. Wer meinen sollte in der heutigen, schnelllebigen Social-Media-verseuchten, Goldfisch-Aufmerksamkeitsspannenwelt interessiere sich schon keiner mehr für eine Meldung, die schon 4 Wochen her ist, dem kann ich nur sagen: Ja eben doch!
Das bemerkt auch Sony selbst und zwar jedes Mal, wenn sie einen Post auf einem ihrer Social Media Kanäle veröffentlichen. Da lässt sich nie lange warten auf die Reaktion der erschütterten Fans von physischen Medien, die eifrig und eisern ihre Meinung kundtun zu ebenjener Entscheidung. Sonys erste Reaktion darauf: Maul halten, Gras drüber wachsen lassen. Aber ganz so schnell vergisst das Internet dann doch nicht und prompt gibt es nicht nur erste Petitionen, sondern zahlreiche Kundgebungen, die Sony darauf aufmerksam machen, was von der Änderung gehalten wird.
Einen Schritt weiter soll es dann bald gehen, dann soll Playstation da bekämpft werden, wo es weh tut: Bei den Daily Concurrent Users (Oh Mein Gott, wagen wir es wirklich an die KPIs zu gehen? Die Marketing Buzzwords?? Die Schlipsträger-Powerpoint-Präsentations-Business-Veranschaulichungen??? Die Stakeholder-Beruhigungs-Daten????). Aufgerufen wird zu einem Boykott, dazu für eine Woche jeglicher Playstation-Dienste fern zu bleiben. Da wo Sony Gras hat drüber wachsen lassen wollen entsteht eine Grassroot-Bewegung. Na da hätte man wohl besser mal aufgepasst, was man sät!
Ich würde gerne sagen, da können wir ja mal gespannt sein, ob der Boykott Wirkung zeigen wird. Alleine dran glauben mag ich noch nicht. Klar, Resident Evil: Requiem, wahrscheinlich der größte Titel des Jahres bisher, hat immerhin noch fast 30% physische Sales bei Playstation. Das ist eine Hausnummer die zwar geringer ist als der digitale Anteil (und in Zukunft wären Anteile an physischen Verkäufen wahrscheinlich auch ohne Disc-Stopp kleiner ausgefallen), aber dennoch eine nicht irrelevante Einnahemequelle für Sony darstellt. Manche Leute gehen halt anscheinend immer noch gerne physisch zum Retailer, um Games zu shoppen - von Großeltern mal ganz zu schweigen, die ihrem Enkelkind Timmy ein Spiel zum Geburtstag schenken wollen, weil der daddelt doch so gerne und da freut er sich bestimmt (hoffentlich Resident Evil, Omi!) Das Weihnachtsgeschäft ohne physische Discs? Na wird das nicht ein Verlustgeschäft?
Die Gründe für den Disc-Abbau liegen auf der Hand und sind wirtschaftlich vermutlich auch nicht ganz verkehrt (Willkommen im Kapitalismus, yay!). Natürlich möchte Playstation die Spieler vollständig ins eigene Ökosystem holen und ungeliebte Mittelmänner wie Retail-Shops und Amazon aus der ganzen Gleichung ausklammern. Wir dürfen nicht vergessen: Kaufen wir einen First-Party Titel im Playstation Store kommen 100% des Umsatzes bei Sony an, anders wenn wir das Spiel bei MediaMarkt gemeinsam mit einer Andreas Bourani CD holen. Bei Third-Party Spielen bleibt auch mehr vom Kuchen hängen, wenn sich nur der Entwickler und Playstation das Geld teilen müssen. Und für Sony ergibt sich ein anderer Nebeneffekt, der uns Spielern wenig gefallen sollte: Der Gebrauchtmarkt wird quasi ausgeschaltet.
Für viele Spieler war es immer eine finanziell attraktive Möglichkeit, Spiele günstiger gebraucht zu kaufen. In manchen Büchereien konnte man so manche Blockbuster-Titel gar für einen schmalen Taler mit der Büchereimitgliedschaft ausleihen. Das wird alles nicht mehr möglich sein, wenn ich nicht einfach meine gekaufte, physische Disc an einen Fremden per Kleinanzeigen verkaufen kann (“Was letzte Preis?”). Nintendo gibt einem ja zumindest die Möglichkeit, Spiele auch digital zu verleihen. Wäre doch gar nicht schlecht gewesen, hätte Sony mit der Ankündigung gleich ein Trostpflaster mitverkauft und uns erklärt, wie verleihen oder verkaufen auch digital funktionieren kann. Aber nun gut, wahrscheinlich hat bei Sony niemand mit diesem heftigen Backlash gerechnet. Im Nachhinein ist man immer schlauer.
Das ist aber gar nicht das einzige Problem bei der Geschichte. Vom Thema Spielepräservation möchte ich gar nicht anfangen. Und ehrlich gesagt: Es erscheinen so viele Spiele heute schon gar nicht physisch, da werden die Spiele-Historiker ohnehin andere Wege finden müssen, damit ich auch in 50 Jahren noch Resident Evil: Requiem spielen kann. Die Zeiten des einfach Disc ins Laufwerk legen und ab geht die Post sind dank Day-One-Patches ja sowieso schon lange vorbei.
Ich muss außerdem gestehen: Ja, ich bin Teil des Problems. Das letzte Mal, dass ich ein Spiel physisch gekauft habe? Gut, tatsächlich war das vor ein paar Monaten Pokemon Red Edition für meinen restaurierten GameBoy. Aber darüber hinaus? Ich glaube Octopath Traveler 2 für die Switch. Hauptsächlich spiele ich am PC und der hat nichtmal mehr ein funktionierendes Laufwerk! Ich selbst werde im privaten Gebrauch kaum etwas von der Änderung merken, aber das ändert trotzdem nichts daran, dass ich die Entwicklung mit Sorge betrachte - und mich ein bisschen vom wütenden Mob mitreißen lasse.
Ich verkünde hiermit feierlich: Ich werde beim Playstation Boykott mitmachen! Das fällt mir nicht schwer - ich habe weder Playstation noch Playstation Account. Aber trotzdem! Das zählt! Immerhin werde ich mir keine neue PS5 kaufen (Sind wir schon vierstellig??). Vielleicht einfach nur das Disc-Laufwerk? Damit werde ich es ihnen schon zeigen! Ha!
Damit wars das für diese Woche mit der Kolumne. Das einzige, was mir noch zu sagen bleibt, bevor wir zur Zockung übergehen: Viva la Revolucion!
Zockung der Woche
Ich habe mir meinen Pile of Shame angesehen und mich entschieden, dass er deutlich zu groß ist. Also bin ich die Spiele meiner Steam Bibliothek durchgegangen und habe mich gefragt, welches Game ich endlich mal nachholen sollte. Die Entscheidung war leicht, ich habe einfach gemacht was jeder vernünftige Spieler machen würde: Ich habe stattdessen Witcher 1 zum zweiten Mal gespielt.

Aber halt! Bevor ihr mich auslacht: Ein bisschen Pile of Shame war trotzdem mit dabei, ein bisschen was habe ich abgearbeitet bekommen. Witcher 1 hatte ich schon vor einigen Jahren nachgeholt, bin aber damals ziemlich durchgerushed und habe es so semi gemocht. Mein zweiter Durchgang war ein ganz anderer, ich habe mich viel mehr auf die Systeme des Spiels eingelassen (das ist mein Alter glaube ich) und die Welt und Geschichte im Witcherverse sind einfach voll mein Ding. Witcher 1 ist jetzt, passt auf: eins meiner absoluten Lieblingsgames.
Einmal durchatmen, weiter in der Geschichte. Was dann nämlich endgültig Pile of Shame Territorium wurde: Witcher 2 habe ich auch noch nachgeholt. An dem bin ich damals ziemlich abgeprallt und habe es nur wenige Stunden gespielt. Nach meinem nun vollständigen Playthrough muss ich sagen: Der erste Teil gefällt mir deutlich besser. Das im Vergleich zum ersten Teil deutlich actionreichere Kampfsystem fühlt sich bulky an und funktioniert nur so semi gut. Tränke und Öle, die in Witcher 1 essenziell für einen erfolgreichen Kampf sind, spielen in Witcher 2 quasi keine Rolle. Die Kampfstile aus dem ersten Teil (Schwerer Kampf, schneller Kampf und Gruppenkampf) fallen komplett weg und verlagern das Kampfsystem endgültig von Taktik hin zu Action. Das fühlt sich alles nicht so gut an, zum Ende des Spiels, muss ich zu meiner Schande gestehen, habe ich die Schwierigkeit auf Einfach runtergestellt. Ja ich weiß, ich gebe meinen Gamer-Mitgliedsausweis ja schon ab. Bei der nächsten Jahreshauptversammlung der Videospieler dürft ihr mich alle mit faulem Obst bewerfen.
Aber: Die Geschichte hat mich interessiert, die Welt und Charaktere sind weiterhin spannend und haben schön viele Grautöne. Hier ist nichts schwarz-weiß. Was mich nur immer wieder ein bisschen rausgerissen hat: Es wird SEHR häufig über Sex (hihi) oder Titten (hihihi) gesprochen und alle Frauen im Spiel werden regelmäßig von männlichen NPCs genau darauf reduziert. Ich will nicht prüder sein als der Papst, aber das kam wirklich in einer Frequenz, und von so vielen verschiedenen Charakteren, dass ich es unangenehm fand.

Für mich geht es jetzt weiter mit Witcher 3 (jaja das habe ich schon zweimal gespielt, lasst mich doch, ich kann mich ja irgendwann später noch an den Pile of Shame machen versprochen okay?). Nach einer kurzen Pause zumindest. Bevor ich mich an diesen Behemoth wage muss ich erstmal durchatmen: Irgendein kleines Spiel für zwischendurch brauche ich eigentlich immer nach solchen Brechern. Ihr habt eine Empfehlung? Her damit! Mein Schandehaufen ist schon so groß, wenn da noch ein Spiel dazukommt macht das auch keinen Unterschied mehr.
Newsticker
Sonys Verkaufszahlen im Q1 2026 blieben konstant - aber die Profite gingen dank US Zoll-Rückzahlungen um 37% hoch. Kapitalismus, Baby!
Neuigkeiten aus Deutschland: Bei den GermanDevDays räumt vor allem Blue Backpack bei den Indie Awards ab. Glückwunsch!
Double Fine, aufgrund des XBOX Resets mittlerweile unabhängig von XBOX, musste 23 Mitarbeiter entlassen. War zu erwarten, aber tut trotzdem weh. (Hier nochmal eine klare Empfehlung für die Doku zur Psychonauts 2 Produktion Psychodyssey, näher kommt man an Spieleentwicklung von außen nicht ran)
Wenn wir bei Entlassungen sind: Der ASGC Layoff Tracker rechnet mit 14.259 Entlassungen 2026. Das ist ein Plus von 78% im Vergleich zu Prognosen aus dem Januar. Ganz schön scheiße alles in der Industrie gerade.
So und damit haben wir es für diese Woche geschafft. Da war, wie aktuell leider oft, ziemlich viel Müll dabei. Aber es geht ja bestimmt schon wieder bergauf. Oder? ODER?
Ich bin ehrlich: Die Meldungen über Entlassungen, Disc-Stopp und was auch immer XBOX wieder macht sind schon sehr frustrierend. Aber: Da draußen gibt es so viele schöne, originelle und spaßige Videospiele wie wahrscheinlich nie zuvor. Man muss einfach nur wissen, wo man sucht. Spoiler: im AAA-Bereich vermutlich nicht.
Ich lehne mich jetzt erstmal zurück, bin gespannt auf eure Spiel-Empfehlungen in den Kommentaren und freue mich, wenn ihr dem Post ein kleines Herzchen dalasst. Hoffentlich müsst ihr jetzt nicht wieder zwei Monate auf die nächste Ausgabe warten. Ich gebe mein Bestes. Bis zum nächsten Mal!

