Darf ich EA Spiele noch spielen? | WASDalos?!#3
Electronic Arts wird zum saudischen Gameswashing-Objekt
Nächste Woche, nächste Ausgabe von WASDalos?! und ich muss mich da echt noch einfinden in den regelmäßigen Erstellungsprozess. Gerade als ich das schreibe ist Samstagnachmittag, die Kinder basteln etwas, die Frau ist am See und ich muss den Newsletter fertig bekommen, damit der Sonntagfrüh online gehen kann.
Aber bei den News, die die Branche aktuell erlebt, ist es vielleicht auch mal ganz angenehm zwischendurch bei einer Rolle Klebeband für die Kinder den Anfang zu finden oder eine Zickzack-Schere rauszusuchen. Oder reden wir lieber über EA? Hmm. Ich fürchte, da müssen wir jetzt durch. Gemeinsam.
Thema der Woche: EA Seele verkauft?
Als Spieler (und als Konsument und Mensch im Allgemeinen) stellt sich einem immer wieder die selbe Frage: Kann ich Produkt X mit gutem Gewissen konsumieren? Wer bekommt bei Produkt Y eigentlich mein Geld - und will ich das überhaupt? Jeder mit einem Bewusstsein für Ethik und ein gutes Leben wird da schon bemerkt haben: Ganz ohne Leid zu verursachen lässt es sich kaum leben. Es gibt schlicht keinen ethischen Konsum im Kapitalismus. Täglich treffen wir Entscheidungen: Ist das okay oder ziehe ich hier meine Grenze? Im Falle von EA fällt mir das alles andere als leicht - und irgendwie auch doch.
Mit dem Verkauf von EA an Privatinvestoren geht das Unternehmen in die Hände von neuen Besitzern, mit denen nicht jeder einverstanden sein dürfte. Allen voran sorgt vor allem die Beteiligung des Saudi Arabischen Public Investment Fond (PIF) für viel Kritik. Dass da Donald Trumps Schwiegersohn auch beteiligt ist dürfte auch einige interessieren, schließlich wird auch darüber immer wieder gesprochen - aber seien wir mal ehrlich. Das große Problem ist vor allem der Journalisten-köpfende Saudi Arabische Kronprinz.
Da stellt sich so manchem Gamer die Frage: Darf ich jetzt noch EA Spiele spielen? Darf ich noch Geld in Ultimate Team bei EA Sports FC oder Madden stecken? (Kurz: Solltest du sowieso nicht, lass den Scheiß!) Sollte ich Electronic Arts boykottieren? Diese essenziellen Existenzfragen (oder so ähnlich, wer braucht schon EA Spiele, jetzt mal ehrlich, aber wenn es euch gefällt…) begleiten uns immer wieder. Für mich hat sich diese Frage 2023 zum ersten Mal so richtig gestellt. Da kam Hogwarts Legacy raus und ich musste mich entscheiden, ob ich einer transfeindlichen Populistin mein Geld geben will. Ich fand das damals wirklich nicht leicht, schließlich hat mich Harry Potter seit meiner Kindheit begleitet und die Welt ist für mich so viel größer als J.K. Rowling und das, was sie über die Welt denkt. Aber das Geld verwendet sie am Ende nur dafür, weiter ihren Populismus zu verbreiten und trans Menschen das Recht auf ihr Dasein abzusprechen. Kackdreiste Populisten halt.
Ich muss gestehen: Ich habe Hogwarts Legacy gespielt. Ich verstehe jeden, der das Spiel boykottiert hat und der mich und andere dafür kritisiert. Wollen wir wirklich Werk vom Autor trennen? Für mich ist das immer eine Einzelfallentscheidung und ich weiß nicht, ob ich mich heute nicht anders entscheiden würde.
Wir müssen uns jeden Tag gut überlegen, welchen Kampf wir kämpfen. Wenn wir uns an jeder Front abarbeiten, machen wir uns nur selbst kaputt. Das ist auch im privaten Konsum so: Ich lebe vegan, bringe auch Spinnen lebend nach draußen und unterstütze das lokale Tierheim und andere Tierschutzorganisationen mit Spenden. Ich achte darauf, möglichst wenig Müll zu produzieren - aber perfekt bin ich auch da nicht. Ja, ich töte Schnaken bevor sie mich und meine Kinder stechen. Ich kaufe manchmal Lebensmittel mit Plastikverpackung. Ich habe elektronische Geräte, die alle paar Jahre kaputt gehen. Perfekt ist niemand und muss auch niemand sein. Jeder einzelne Schritt zählt. Aber was bedeutet das jetzt für EA?
So gerne ich auch würde, aber da kann ich niemandem die Entscheidung abnehmen. Möchten wir Teil des Saudi Arabischen Gameswashing sein und ein Regime unterstützen, das unliebsame Journalisten einfach ermorden lässt? Möchten wir Donald Trumps Schwiegersohn zu mehr Reichtum verhelfen? Finden wir es gut, dass die Reichen ein Unternehmen kaufen können, nur um dann diesem Unternehmen Schulden in Höhe von 18 Milliarden Dollar aufzubürden? Wollen wir dieses kaputte System weiter fördern und gutheißen? Ich kann das nicht mehr. Aber wie gesagt: Ich bin auch nicht perfekt und es gibt genügend Gründe, den ersten Stein auf mich zu werfen.
Für mich wird eines immer klarer: Ich liebe Indie-Games. Ich spiele lieber ein Spiel, das eine einzelne Person oder ein kleines Team mit Liebe zum Medium und dem großen Traum im Hinterkopf entwickelt hat. Ich unterstütze lieber Werke, in die kein AAA-Budget aber dafür eine Menge kreative Energie geflossen ist. Ich kaufe lieber bei Menschen, denen wichtig ist, was die Spielenden über das Werk denken, als bei denen, die die Stakeholder zufrieden stellen wollen. Klar, am Ende kann auch der einzelne Indie-Entwickler ein riesiges Arschloch sein der im privaten kleine Katzenbabys ertränkt, aber wir können nicht alles und jeden jederzeit kontrollieren. Was wir spielen, das entscheiden wir selbst - und wenn das für euch der neue Electronic-Arts-Titel ist, dann ist das völlig okay.
Ich schau mich lieber weiter um. Da draußen gibt es so viele tolle, kleine Spiele von tollen Entwicklern, die es zu unterstützen lohnt. Und das Medium Games bleibt weiterhin eines, das mich jeden Tag aufs neue begeistert.
Zockung der Woche
Das Spiel, das ich bis heute am häufigsten durchgespielt habe ist Pokémon Blau. Erst vor kurzem habe ich meinen Gameboy Color restauriert und mir Ersatzhüllen für meine Gameboy Spiele Pokémon Red (mein englischsprachiger Neuzugang) und Pokémon Silber geholt. Die stehen jetzt in meinem Regal und ich liebe es!
Neue Pokemon-Spiele haben mir es allerdings gar nicht so angetan. Pokémon Schild habe ich zwar durchgespielt, aber die Stirnfalten von den nach oben gezogenen Augenbrauen spüre ich heute noch. Pokémon Karmesin und Legenden Arceus habe ich nie beendet. Die neue Generation werde ich mir gar nicht mehr holen. Was ich mir schon lange wünsche ist ein Pokémon im Oldschool-Style. Gib mir ein neues Spiel im Stil der alten GBA Titel (Feuerrot und Blattgrün sind eigentlich Peak für mich) und ich verzeihe der Pokémon Company alles, was sie den Fans seither angetan haben!
Kommen wir nach dieser sehr langen Einleitung also zum Spiel, das ich diese Woche gespielt habe: Coromon.

Das Spiel fängt das, was Pokémon so stark gemacht hat für mich perfekt ein. Ich sammle die verschiedenen Taschenmonster, stelle ein Team zusammen, um möglichst gegen jeden Gegner gewappnet zu sein. Sehr effektive Angriffe spielen eine große Rolle, wenn man eine gute Zeit haben will - man kann aber auch einfach hart reingrinden und ein einzelnes Coromon so stark machen, dass es auch mit nicht sehr effektiven Angriffen jeden mickrigen Gegner wegklatscht.
Neu hinzu kommen Ergänzungen wie das Potenzial-System, das angezeigt welches Potenzial ein Coromon hat (Standard, Potent oder Perfect) und das Sammeln nochmal spannender macht. Außerdem bringen Typen, die nur für Skills gelten und nicht für einzelne Coromon, Abwechslung rein. Die Story ist zwar auch kindgerecht, aber nicht komplett für jeden über 5 uninteressant und der Schwierigkeitsgrad ist näher am Gameboy Original, als an den “babyeierleichten” (wie meine Kinder sagen würden) neuen Einträgen ins Franchise. Besonders gut gefällt mir auch die Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad individuell anzupassen. So ist es direkt im Spiel möglich, sich Nuzlocke-Bedingungen aufzuerlegen.
Coromon ist ein cooles kleines Spiel für jeden, der von den neuen Pokémon-Titeln die Nase voll hat und lieber einen Monster-Catcher spielen will, der sich (auch) an Erwachsene richtet. Empfehlung ist raus!
Newsticker
Pünktlich zur Gamescom stellt der Game-Verband Forderungen an die Politik und die werden natürlich ganz sicher auch umgesetzt, denn auf unsere Regierung können wir vertrauen!
In Wolfsburg wird der Lamborghini Pavillon zum House of Gaming umgebaut. Danke VW, I guess?
Das Studio, das das offizielle FIFA World Cup Game verbrochen - äääh, entwickelt hat, ist von Entlassungen betroffen. Überrascht das jemanden?
Roblox könnte als Soziales Netzwerk eingestuft werden und muss dann stärkere Regulierungen durch die EU befürchten. Das sind doch mal gute Nachrichten!
So, hätten wir auch diese Woche geschafft. Vielleicht können wir ja nächste Ausgabe mal über richtig tolle und schöne Dinge sprechen? Das wäre doch mal was! Ich bin gespannt, was uns bevorsteht und freue mich trotzdem schon wieder drauf, euch meine Meinung entgegenschreiben zu dürfen.
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Oh Gott. Die haben ja noch die Zickzack-Scheren…

