Dann schreiben wir das halt mit ChatGPT!!!!| WASDa los?!! #4
Über KI-Wahn, arrogante CEOs und eine richtig starke Indie-Demo.
Habe ich es denn wirklich geschafft, unglaubliche 3 Ausgaben lang einen Newsletter über Gaming zu schreiben, ohne das leidliche Thema KI in den Mittelpunkt zu rücken!? Yay, dicke Props an mich! So soll das doch sein, so wünschen wir uns das alle.
Das reicht dann aber auch, oder? Jetzt darf ich, oder nicht? Ist heute nicht endlich der Tag gekommen, an dem wir uns über unser aller Damoklesschwert auskotzen können? Schauen wir mal, wie es wird - mit einer Garantie: Das, was jetzt kommt, habe ich alles höchstpersönlich selbst geschrieben!
Thema der Woche:ChatGPT als Lead Writer
Machen wir uns nichts vor: Jeder von uns nutzt KI auf irgendeine Art und Weise. Wenn ihr jetzt sagt: “Nene, halts Maul, KI kommt mir nichtmal in die Kotztüte!”, dann sage ich: “Sorry! Hätte nicht gedacht, dass jemand so ethisch stabil und menschlich überragend unterwegs sein kann.” Aber genug von unseren hypothetischen Gesprächen.
Ja, ich nutze KI im Alltag immer wieder. Zum Beispiel beim Kochen und ich muss ehrlich sagen, das ist für mich ein echter LifeHack. Mir hilft Gemini dabei, Rezepte zu erstellen und mir Anleitungen für gesundes, nährreiches und superleckeres Essen zu geben. Seit ich meinen kleinen, digitalen Kochassistenten verwende will plötzlich meine Frau immer die Reste haben, wenn was übrig bleibt. Es scheint also gut zu funktionieren.
Ich muss auch gestehen, dass das schon so ziemlich meine komplette KI-Nutzung umfasst. Ich bin sonst kein großer Freund der halluzinierenden Datenkrake - und über ökologische und ethische Folgen von KI müsst ihr nicht auch noch meinen Senf hören, das bekommt jeder halbwegs denkende Mensch mittlerweile sicher auch selbständig mit.
Interessant wird es aber für uns gaming-liebende Freizeitzocker, wenn es um den Einsatz von KI in Videospielen geht. Nicht selten wird die nächste Kuh durchs Dorf getrieben, wenn über Einsatz von KI berichtet oder spekuliert wird. So jetzt geschehen im Fall von Saber Interactive - ans Tageslicht gebracht durch die vormalige Lead Writerin Stella Sacco.
Der Vorwurf, man hätte sie durch ChatGPT ersetzt wirkt erstmal absurd. So dumm kann doch wirklich auch nicht der KI-besessenste Techno-Bro an der Spitze eines Videospielunternehmens sein, oder? Es wäre ja wirklich völlig unvorstellbar, dass CEOs, hyperventilierend vor Aufregung, in der aktuellen KI-Blase freudig Mitarbeiter entlassen und “Schreib mir mal das Spiel fertig” in ihre Lieblings-KI prompten. Was kommt als nächstes? Nimmt sich ein verzweifelter CEO ChatGPT als Rechtsberatung? Haha, niemals, sowas macht doch wirklich NIEMAND!
Nicht nur daher war ich bei der Meldung erstmal skeptisch. Im aktuellen KI-Hass und der aufregungsgeilen Social Media Hölle geht es ganz schnell, dass wütend gebrüllt wird, ohne tatsächlich die Fakten zu kennen. Dem wollte und will ich mich nicht anschließen. Ein bisschen Differenzierung und Ruhe würde uns allen gut tun, vor allem in den schnelllebigen Zeiten, in denen wir leben. Aber zu unser aller Glück (?) hat sich der CEO von Saber Interactive gegenüber ThisWeekInVideogames zum Vorfall geäußert und boy… lest einfach selbst.
Stella who? I had to ask Claude because I have never spoken to her or seen her. We have already said we are using AI for certain parts of the game and will update the Steam page once we have finalized the feature set.
[…]
As far as Stella is concerned, she was replaced by someone more talented and terminated for a variety of reasons a few months later. From what I can gather she enjoys controversy even more than I do. I would frankly in retrospect have been happy to replace her with AI. At least we would be dealing with someone programmed to be honest.
Ignorieren wir mal den “Das ist ein echtes Plus für Konsumenten”-Bullshit, den wir schon viel zu oft gehört haben. Was für ein offensichtlich Ego-verletzter, kindischer, unfähiger CEO muss man sein, um so gegen eine frühere Mitarbeiterin zu schlagen und zu erwarten, dass das in der Öffentlichkeit auch nur ansatzweise gut ankommt? Wie verblendet muss man sein, so von sich selbst überzeugt, dass das eine gute Idee ist? Wo zur Hölle ist die PR-Abteilung, die dem Chef da freundlich und im “explain it to me like I’m 5”-Stil erklärt, dass manchmal auch NICHT jede PR gute PR ist? Die traurige Wahrheit, die wir alle ahnen können: Der Name der PR-Abteilung reimt sich in diesem Fall vermutlich auf “SchmättSchmiTiPi”.
Vielleicht ist das viel weniger ein Manifest gegen die Nutzung von KI in Videospielen. Ganz ehrlich: Wenn es euch nicht stört, dann ist das völlig in Ordnung. Für mich persönlich sinkt ein Spiel schon enorm nach unten in der Wishlist, wenn ich erfahre, dass in der Entwicklung auf generative KI gesetzt wurde. Aus ethischen, ökologischen und - bisher noch - qualitativen Gründen. Aber eigentlich geht es diese Woche vielmehr darum, wie kackendumm manche CEOs in dieser Branche sind, wie gut es vielen dieser ganz besonderen Spezies zu Gesicht stehen würde, das Unternehmen nach außen hin lieber von einer kompetenten PR-Abteilung repräsentieren zu lassen. Und ein bisschen darum, wie wichtig es ist, gerade in dieser Welt, auf die kleinen Lichtblicke zu schauen und das Scheinwerferlicht auf die kleinen Titel zu richten. Es ist mal wieder Zeit für die guten, alten Indie-Spiele, zu unserer aller Rettung zu kommen.
Zockung der Woche:
Diese Woche hat mich eine Demo eines Spiels begeistert, das mich sehr an Esoteric Ebb erinnert. Das hatte ich Anfang des Jahres gespielt und das Writing hat mich echt umgehauen. Sovereign Tower kommt im selben Ton daher und ist auf Steam auch im Bundle mit Esoteric Ebb verfügbar - kein Zufall denke ich.

Der Grundgedanke ist relativ simpel: Wir spielen einen auserwählten Monarchen, der ein kleines, gefallenes Königreich aus seinem Turm heraus wieder zu seiner Stärke führen soll. Der Turm hat magische Fähigkeiten und schützt uns vor Attentätern ebenso wie vor der Krankheit, die uns sofort wieder übermannen würde, wenn wir die sicheren Räume des Turmes verlassen. Daher ist es unsere Aufgabe, nicht selbst auf Abenteuerreise zu gehen, sondern Ritter in unserer Tafelrunde zu versammeln und diese loszuschicken, um Quests zu erledigen. Diese Ritter haben natürlich verschiedene Fähigkeiten - und können durch Items noch aufgerüstet werden. Die Quests bekommen wir, wenn wir Audienzen mit der Bevölkerung oder benachbarten Adeligen abhalten.
Wichtig ist, dabei bestimmte Ressourcen und Beziehungen nicht aus den Augen zu verlieren: Entscheidungen, die wir treffen, beeinflussen, wie der Adel, die Wissenschaft, das einfache Volk oder die Händler auf uns blicken. Außerdem müssen wir den Haushalt des Turmes nicht aus den Augen verlassen. Dabei kommen immer neue Ritter oder andere Bedienstete an unseren Hof, die uns neue Fähigkeiten und Möglichkeiten geben, unsere Ritter bestmöglich vorzubereiten.
Der Flow, der im Gameplay-Loop entsteht, funktioniert bei mir richtig gut. Ich habe die Demo an einem Abend durchgespielt - das hat mich knapp 1,5 Stunden bei Laune gehalten und definitiv Bock auf mehr bekommen. Die Charaktere sind interessant geschrieben, die Fantasy-Welt ist glaubhaft und der Humor hat mich Schmunzeln zu lassen, steht aber der Ernsthaftigkeit nicht im Weg. Der Management-Teil stellt einen vor spannende Entscheidungen, welche Quests man bearbeitet und welchen Ritter man mit welchen Items losschickt und wenn eine Quest mit einem vollen Erfolg geschafft ist fühlt man sich wie ein echter Herrscher.
Wenn das auch nur ansatzweise interessant für euch klingt, dann krallt euch die kostenlose Steam Demo und spielt mal rein. Ihr werdet dann schnell merken, ob das Game was für euch ist. Ich werde mir die Vollversion noch holen und habe richtig Lust darauf, meine persönliche Tafelrunde weiter zum Ruhm zu führen.
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Das war es mal wieder für diese Woche. Mir bleibt nichts weiter, außer zu sagen: Das war’s dann hoffentlich mit KI. Wir werden nächste Woche schon wieder ein anderes Thema finden, über das wir uns aufregen können.
Am Ende kommt es ja gar nicht so sehr auf die großen Themen an - sondern auf die kleinen Spiele, die uns jede Woche aufs neue begeistern. Ohne die würde ich nur endggültig zum Zyniker werden und das kann ja wirklich niemand wollen.
Danke fürs Lesen, bist zum nächsten Mal und tchau in die Runde!

